Lasagne Quilt nähen – Patchworkdecke aus Stoffstreifen nach dem Jelly Roll Race Prinzip

Lasagne Quilt nähen – unsere Patchworkdecke aus Stoffstreifen
Ich hatte schon länger Lust, mal wieder einen Lasagne Quilt zu nähen. Eine Patchworkdecke aus Stoffstreifen, wie sie viele unter dem Begriff „Jelly Roll Quilt“ kennen – auch wenn der Name „Jelly Roll“ geschützt ist. Die Technik dahinter ist unkompliziert, schnell umgesetzt und macht erstaunlich viel Freude. Meine erste Lasagne-Decke habe ich aus einer Jelly Roll von Amy Butler genäht. Sie sieht mittlerweile allerdings schon ganz schön mitgenommen aus – was ja eigentlich ein gutes Zeichen ist.
Aus diesem „nur mal eben“ wurde allerdings eine mehrere Meter lange Stoffschlange, die quer durch unseren Hof hing. Filippa hielt das eine Ende, ich das andere, und wir mussten beide ein wenig lachen, weil uns erst in diesem Moment bewusst wurde, wie lang 42 Streifen à 1,10 Meter tatsächlich sind. Außerdem war es windig, und wir hatten ein bisschen Angst, dass sie sich um die Bäume wickelt. Das hätte ich schlecht wieder eingefädelt bekommen. Wir haben das als Reel bei Instagram festgehalten. Hier findest du das Video:
Stoffstreifen auswählen für einen Lasagne Quilt – 42 Streifen und eine Portion Mut
Für diese Decke habe ich Stoffe aus der Kollektion Starling von Art Gallery Fabrics ausgewählt und sie mit einigen Pure Solids kombiniert. Am Ende lagen 42 Streifen auf dem Tisch, jeweils 6,5 cm breit und in voller Stoffbreite geschnitten.
Statt jede Kombination bis ins Detail zu planen, haben wir wild gemischt. Muster neben Uni, lebendige Prints neben ruhigeren Flächen. Gerade bei dieser Technik entsteht der besondere Reiz daraus, sich auf das Ergebnis einzulassen. Man weiß nie ganz genau, wie die Streifen am Ende nebeneinander wirken – und genau das macht es spannend. Wenn du eine fertige Designrolle hast, beginnst du einfach mit dem ersten Streifen. Das ist dann noch einfacher.
Als Stoffladen haben wir den Vorteil, uns Streifen direkt aus unterschiedlichen Kollektionen zuschneiden zu können. Man braucht also keine fertige Rolle. Es ist sogar eine schöne Idee, über Wochen oder Monate passende Streifen zu sammeln, bis genügend Material für ein Quilt-Top zusammenkommt. Außerdem kannst du selbst entscheiden, wie breit die Streifen sein sollen.
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Stoffstreifen schräg zusammennähen – Vorbereitung für den Jelly Roll Race Quilt
Alle Streifen werden zunächst aneinander genäht. Dabei empfiehlt es sich, sie im 90-Grad-Winkel, also schräg, zu verbinden. Diese schräge Naht sorgt dafür, dass sich die Nahtzugaben besser verteilen und keine dicken Stellen entstehen. Außerdem wirkt das Ergebnis optisch ruhiger und professioneller.
Die überstehenden Ecken werden etwa fünf Millimeter vor der Naht zurückgeschnitten. Dabei entstehen kleine Dreiecke, die viel zu schade zum Wegwerfen sind. Auch aus Resten lassen sich später noch kleine Projekte entwickeln. Ich habe diese Dreiecke schon einmal für ein Kuscheltuch in Dinosaurierform für ein Baby verwendet. Da brauchte ich die Rückenzacken. Diese kleinen Dreiecke waren perfekt dafür. Das nur mal so am Rande.
Mit jedem angenähten Streifen wuchs also unsere Stoffbahn weiter. Und irgendwann wurde aus „ein paar Streifen“ eine beeindruckend lange Stoffschlange.
Jelly Roll Race nähen – Falten, nähen, aufschneiden beim Lasagne Quilt
Nun beginnt der eigentliche Trick des Lasagne Quilts.
Das untere Ende dieser langen Stoffbahn wird rechts auf rechts an die lange Kante genäht. Anschließend schneidet man den Stoff am Bruch auf. Auf einmal liegen zwei Streifen nebeneinander.
Dieser Vorgang wird wiederholt: wieder zusammennähen, wieder aufschneiden. Mit jedem Durchgang verdoppelt sich die Anzahl der nebeneinanderliegenden Streifen. Aus zwei werden vier, aus vier acht – und so wächst das Quilt-Top erstaunlich schnell in die Breite.
Falls du mir nicht so gut folgen kannst: Es gibt ein Video von Jenny Doan, in dem sie diese Technik sehr anschaulich erklärt. Auch ohne Englischkenntnisse versteht man beim Zuschauen sofort, wie das Prinzip funktioniert. Und wenn sie dabei immer wieder sagt: „This is so much fun“, dann weiß man spätestens beim eigenen Nähen, was sie meint.
Größe und Rahmen beim Lasagne Quilt – Quilt-Top richtig begradigen
Geplant war eine Decke von etwa 1,50 m x 2,00 m. Wie so oft im kreativen Prozess wich das tatsächliche Maß etwas ab. Deshalb habe ich mich entschieden, das Top mit einem breiten Rahmen aus dunkelblauem Pure Solids Stoff einzufassen.
Ein Rahmen bringt Ruhe in das Gesamtbild und lässt die Farben der Streifen intensiver wirken. Bevor die Rahmenstreifen zugeschnitten werden, sollte das Top sorgfältig begradigt und exakt ausgemessen werden. Nahtzugaben müssen selbstverständlich berücksichtigt werden, damit am Ende das gewünschte Maß erreicht wird.
Das Quilt-Sandwich vorbereiten – Rückseite, Vlies und Quilt-Top
Für die Rückseite habe ich einen Flanell-Baumwollstoff von Westfalenstoffe verwendet. So hast du eine kühlere Seite und eine flauschig weiche. Er ist 1,50 m breit und wurde in 2,00 m Länge zugeschnitten. Die Webkante habe ich bewusst belassen, da sie später vollständig unter dem Binding verschwindet.
Als Vlies kam das Volumenvlies 279 Cotton Mix 80/20 natur von Vlieseline zum Einsatz. Das Vlies schneide ich einige Zentimeter größer zu, da sich die Lagen beim Quilten leicht zusammenziehen.
Der Aufbau erfolgt klassisch: unten der Rückseitenstoff mit der rechten Seite nach unten, darauf das Vlies und oben das Top mit der linken Seite zum Vlies.
Quilt fixieren und heften – Vorbereitung vor dem Quilten
Um die drei Lagen sicher zu verbinden, haben wir mit Sprüh-Textilkleber fixiert und zusätzlich geheftet. Besonders hilfreich war dabei eine Technik, die Kati Filippa gezeigt hat: das Heften mit Unterstützung eines Teelöffels.
Nachdem die Nadel durch alle drei Lagen gestochen wurde, legt man den Löffel so auf den Quilt, dass die Nadel in die Wölbung gleitet. Drückt man den Stiel leicht nach unten, hebt sich die Nadel automatisch an und lässt sich bequem greifen. Eine kleine Alltagshilfe, die das Arbeiten deutlich erleichtert. Wir sind dabei übrigens immer noch beim Heften – nicht beim Quilten.
Zusätzlich lagen Wonder Pins von Clover bereit, falls sich einzelne Stellen lösen sollten. Das sind kleine gebogene Sicherheitsnadeln, die auch mit nur einer Hand genutzt werden können. Die mag ich sehr, da sie schnell raus- und reingemacht werden können, mit nur einer Hand wie schon gesagt.
Lasagne Quilt von Hand quilten – ruhige Stiche mit Struktur
Ich habe diese Decke von Hand gequiltet, mit einer Handquiltnadel und gewachstem Baumwollgarn. Natürlich kann man ebenso gut mit der Nähmaschine quilten. Dabei beginnt man idealerweise in der Mitte, um mögliche Spannungen nach außen auszugleichen.
Für mich persönlich hat das Handquilten jedoch eine besondere Qualität. Die Stiche wirken weicher, die Zwischenräume wölben sich leicht auf, und der gesamte Prozess ist ruhig und konzentriert. Manche arbeiten mit großen Quiltrahmen. Ich halte die Decke einfach so, wie es für mich angenehm ist. Jeder entwickelt hier mit der Zeit seine eigene Technik.
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Binding annähen – sauberer Abschluss für die Patchworkdecke
Die Streifen werden im 45-Grad-Winkel zusammengenäht, zu einem langen Band verbunden und längs links auf links gebügelt. Zunächst wird das Binding mit der Maschine rechts auf rechts an die Vorderseite genäht. Anschließend wird es nach hinten umgeschlagen und von Hand festgenäht.
Diese Kombination aus Maschine und Handarbeit sorgt für ein besonders sauberes und hochwertiges Ergebnis.
Lasagne Quilt nähen – mehr als nur eine Patchworkdecke
Diese Decke ist nicht perfekt. Aber sie ist im Laden entstanden, gemeinsam mit Mitarbeiterinnen, Freundinnen, mit einer sehr langen Stoffbahn im Hof und mit vielen ruhigen Handstichen am Abend. Und genau deshalb liebe ich sie.

