Badezimmerteppich nähen – einfache Anleitung aus Stoffstreifen und alter Bettwäsche

Badezimmerteppich nähen – Upcycling mit alter Bettwäsche und Stoffstreifen
Manchmal entstehen die schönsten Nähideen ganz nebenbei.
Bei mir fing alles mit den Stoffschnecken von Westfalenstoffe an. Kurz zuvor hatten wir außerdem den Stoffrohrformer von Clover ausprobiert – ein praktisches Hilfsmittel, mit dem sich lange Stoffstreifen besonders einfach zu einem Stoffschlauch verarbeiten lassen. Während ich damit gearbeitet habe, war der Gedanke plötzlich da:
Warum daraus nicht einen Badezimmerteppich nähen?
Die Idee ließ mich nicht mehr los.
Also begann die Recherche. Wie viele Stoffstreifen werden überhaupt benötigt? Wie lang müssen sie sein? Und wie viel Wadding Tape beziehungsweise Volumenvlies brauche ich dafür?
Nach einigen Berechnungen und ein wenig Kopfrechnen entstand schließlich mein erster Badezimmerteppich.
Welche Materialien habe ich für den Badezimmerteppich verwendet?
Mir war von Anfang an wichtig, möglichst viele vorhandene Materialien zu verwenden. Das passt nicht nur wunderbar zum Upcycling-Gedanken, sondern gibt alten Stoffen noch einmal eine ganz neue Aufgabe.
Für meinen Badezimmerteppich habe ich verwendet:
- 16 Stoffstreifen aus alter Bettwäsche und alter Tischwäsche aus Omas Schrank – jeweils 1,50 Meter lang
- 12 Stoffstreifen aus meinem Stoffbestand – unter anderem aus der Kollektion Balisong von Zen Chic sowie einigen japanischen Stoffen – jeweils 1,10 Meter lang
Alle Stoffstreifen haben eine Breite von 6,4 cm.
Insgesamt ergibt das eine Stoffstreifenlänge von 37,20 Metern. Genau diese Länge wird später auch als Wadding Tape beziehungsweise als Volumenvlies benötigt.
Anschließend werden alle Stoffstreifen zu einem einzigen langen Stoffstreifen zusammengenäht. Deshalb lohnt es sich, zuerst alle Stoffstreifen zusammenzunähen und anschließend erst das Vlies vorzubereiten.
Das passende Vlies
Als Füllung habe ich Wadding Tape verwendet. Dabei handelt es sich um ein schmales Vliesband, das später zusammen mit dem Stoffstreifen verarbeitet wird.
Falls du kein fertiges Wadding Tape zur Hand hast, kannst du es ganz einfach selbst herstellen.
Ich habe dafür das Volumenvlies 279 Cotton Mix 80/20 von Vlieseline by Freudenberg verwendet. Dieses Volumenvlies führen wir auch als Meterware in unserem Shop.
Daraus werden ebenfalls 6,4 cm breite Streifen zugeschnitten. Anschließend werden die einzelnen Vliesstreifen mit einem großen Zickzackstich aneinandergefügt. Dabei reicht es völlig aus, die Enden locker miteinander zu verbinden. Die Naht muss später keine Belastung aushalten, sondern sorgt lediglich dafür, dass ein durchgehendes langes Vliesband entsteht.
Wer bereits fertiges Wadding Tape verwendet, kann mehrere Rollen genauso miteinander verbinden. Einfach die Enden zusammennähen – schon entsteht ein durchgehendes Band in der benötigten Länge.
Stoff und Vlies vorbereiten
Jetzt beginnt die eigentliche Vorbereitung.
Lege das Wadding Tape mittig auf die linke Stoffseite des langen Stoffstreifens. Anschließend werden beide Stoffkanten zur Mitte eingeschlagen und danach noch einmal zusammengeklappt – ganz ähnlich, als würdest du ein Schrägband nähen. Wenn das Tool von Clover benutzt ist es etwas einfacher. Es ist der Stoffrohrformer.
Nun nähst du den Stoffstreifen mit einem großen Geradstich zusammen. Ich habe dafür eine Stichlänge von 4,0 gewählt und knappkantig abgesteppt.
Nach und nach entsteht daraus ein langer, weicher Stoffschlauch. Ehrlich gesagt sah er bei mir irgendwann eher wie eine riesige Stoffschlange aus, die sich quer durchs Nähzimmer schlängelte.
Den Arbeitsplatz vorbereiten
Bevor der eigentliche Nähspaß beginnt, solltest du deinen Arbeitsplatz vorbereiten.
Je größer der Teppich wird, desto schwerer wird er. Hängt das Gewicht ständig neben der Nähmaschine nach unten, kann sich der Teppich während des Nähens verziehen. Im schlimmsten Fall nähst du keinen flachen Badezimmerteppich, sondern einen riesigen Stoffkorb.
Deshalb solltest du rund um die Nähmaschine eine möglichst große, ebene Arbeitsfläche schaffen. Das muss gar nichts Besonderes sein. Ich habe einfach einen Stapel Bücher neben die Nähmaschine gelegt und die Höhe so angepasst, dass alles auf einer Ebene mit der Stichplatte lag.
Dadurch konnte der Teppich während des Nähens vollständig aufliegen und wurde nicht durch sein Eigengewicht nach unten gezogen.
Den Teppich nähen
Jetzt beginnt der Teil, auf den du hingearbeitet hast.
Den Anfang fixieren
Lege den Anfang des Stoffschlauchs zu einer kleinen Schnecke zusammen. Die ersten Runden sind etwas frickelig, weil sich der Kreis erst einmal bilden muss und noch nichts stabil ist.
Ich habe dafür gleich den breiten Zickzackstich eingestellt und den Anfang mit ein paar Nähten kreuz und quer fixiert. Da ich mit weißem Garn auf überwiegend hellen Stoffen gearbeitet habe, fällt das später überhaupt nicht auf.
Wenn du überwiegend dunkle oder kräftig gemusterte Stoffe verwendest, kannst du den Anfang stattdessen auch mit Stecknadeln oder Stoffklammern fixieren. Viele machen das so. Ich bin mit meiner etwas unkomplizierteren Variante gut zurechtgekommen.
Nähe mit einem breiten Zickzackstich
Lege den Stoffschlauch nun Runde für Runde an die vorherige Runde an.
Der Zickzackstich verbindet dabei immer zwei benachbarte Stoffschläuche miteinander. Die rechte Seite des Zickzackstichs greift in den bereits angenähten Stoffschlauch, die linke Seite in den neu angelegten Stoffschlauch. Genau so wächst der Teppich Runde für Runde weiter.
Nähe langsam und kontrolliert. Gerade am Anfang lohnt es sich, lieber etwas ruhiger zu arbeiten. Sobald die ersten Runden geschafft sind, läuft der Rest fast wie von selbst.
Führe den Stoff – ziehe nicht daran
Lege den Stoffschlauch immer locker an die vorherige Runde an.
Versuche nicht, den Stoff zu ziehen oder unter Spannung zu vernähen. Besonders in den Rundungen darf der äußere Stoffschlauch ganz leicht nachgeben. So bleibt der Teppich schön flach und verzieht sich nicht. Mit jeder weiteren Runde wird das Nähen einfacher, weil die Rundungen größer werden.
Nähe Runde für Runde weiter
Arbeite dich einfach immer weiter im Kreis vor.
Mit jeder neuen Runde wächst dein Badezimmerteppich ein Stück weiter. Nähe so lange, bis dein kompletter Stoffschlauch verarbeitet ist oder dein Teppich die gewünschte Größe erreicht hat.
Es ist übrigens ein bisschen wie bei einer Zimtschnecke. Anfangs sieht man noch jede einzelne Windung. Je größer der Teppich wird, desto mehr entsteht ein harmonisches Gesamtbild.
Den Badezimmerteppich rutschfest machen
Ein Punkt hat mich während des Nähens noch beschäftigt: Der Teppich besteht komplett aus Baumwolle. Das fühlt sich unter den Füßen wunderbar an, hat aber einen kleinen Nachteil. Auf glatten Fliesen kann er leicht verrutschen.
Also habe ich nach einer einfachen Lösung gesucht.
Fündig geworden bin ich bei Sock Stop von Marabu. Eigentlich wurde diese transparente, rutschfeste Textilfarbe für selbstgestrickte Socken entwickelt. Sie eignet sich aber genauso gut für Badvorleger oder kleine Teppiche.
Ich habe die transparente Variante verwendet und auf der Rückseite des Teppichs viele kleine Punkte verteilt. Danach durfte alles etwa 24 Stunden in Ruhe trocknen. Erst anschließend habe ich den Teppich ins Badezimmer gelegt.
Das Ergebnis hat mich wirklich überzeugt. Der Teppich liegt jetzt deutlich sicherer auf den Fliesen und verrutscht im Alltag nicht mehr.
Falls dich das Produkt interessiert, verlinke ich es dir hier ebenfalls.
Mein Fazit zum Nähprojekt Badezimmerteppich:
Dieses Projekt hat mir richtig viel Freude gemacht.
Vor allem gefällt mir der Gedanke, alten Stoffen noch einmal ein neues Leben zu schenken. Bettwäsche und Tischwäsche, die jahrelang im Schrank gelegen haben, werden plötzlich wieder gebraucht und bekommen eine völlig neue Aufgabe. Zusammen mit ein paar bunten Stoffstreifen – bei mir waren es unter anderem Stoffe aus der Kollektion Balisong – entsteht etwas, das modern aussieht und trotzdem ein Stück Vergangenheit in sich trägt.
Gerade die hellen Creme- und Weißtöne der alten Stoffe harmonieren wunderbar miteinander. Oft reichen schon ein paar farbige Streifen, um dem Teppich einen ganz neuen Charakter zu geben.
Und wie so oft ist nach einem Nähprojekt schon die nächste Idee entstanden.
Ich möchte noch mehrere kleinere Badezimmerteppiche nähen – ungefähr halb so groß wie dieser. Die letzten zehn bis zwölf Zentimeter des Stoffschlauchs möchte ich dabei nicht mehr mit einnähen, sondern als Schlaufe annähen. So könnte der Teppich nach dem Duschen einfach an einem Haken aufgehängt werden und schneller trocknen.
Ob ich dafür wieder bunte Designerstoffe kombiniere oder diesmal ausschließlich alte Bettwäsche verwende, weiß ich heute noch nicht.
Aber eines weiß ich ganz sicher:
Das war nicht mein letzter Badezimmerteppich.
Häufige Fragen:
Wie breit müssen die Stoffstreifen sein?
Ich habe Stoffstreifen mit einer Breite von 6,4 cm verwendet. Das passt genau zum verwendeten Wadding Tape.
Welches Vlies eignet sich?
Ich habe Volumenvlies 279 Cotton Mix 80/20 von Vlieseline by Freudenberg verwendet.
Kann ich statt Wadding Tape auch normales Volumenvlies verwenden?
Ja. Das Volumenvlies kann auf 6,4 cm breite Streifen zugeschnitten und anschließend mit einem Zickzackstich zu einem langen Band verbunden werden.
Wie lang war der Stoffstreifen insgesamt?
Für meinen Teppich habe ich insgesamt 37,20 Meter Stoffstreifen verarbeitet.
Wie wird der Teppich rutschfest?
Mit transparenter Sock Stop Textilfarbe von Marabu auf der Rückseite.
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